|
Am Wochenende des 8./9. Februars 2003 wurden in Bern die zweiten
offiziellen Schweizermeisterschaften im Rollstuhlcurling
ausgetragen. Fünf Mannschaften kämpften in der CBA
Curlinghalle um den begehrten Titel. Mit dabei auch das Team Lenzerheide,
welches von Verena Bergamin geskipt wurde.
Bereits seit vier Jahren werden unter der Leitung von Doris
Hugenin (Ressortchefin Behindertensport schweiz. Curling
Verband) und Irène Müller, Behindertensportler ins
Curlingspiel eingeweiht. Begonnen hat alles 1999 anlässlich
eines Workshops in Montana, bei welchem die Möglichkeit des
Curlingspiels für Para- und Tetrapelgiker analysiert und
ausprobiert wurde. Massgeblich daran beteiligt waren damals
schwedische und schweizerische Behinderte sowie deren Betreuer.
Als oberstes Ziel galt es, die normal gültigen Regeln möglichst
zu belassen, sodass in Zukunft auch die Integration bei „gewöhnlichen“
Curlingmannschaften möglich ist.
Die Fortschritte die dabei gemacht wurden sind enorm und 2001
wurde ein erster Weltcup mit 6 Mannschaften ausgetragen, bei
welchem die Schweiz hinter Dänemark den zweiten Rang belegte.
Im Januar 2002 wurden unter der Leitung des Weltcurling
Verbandes WCF, in Sursee die ersten offiziellen Rollstuhl
Curling Weltmeisterschaften ausgetragen, bei welchen das
Schweizer Team um Skip Urs Bucher vor Kanada und Schottland die
Goldmedaille gewannen und somit den ersten Rollstuhl Curling
Weltmeister stellten.
| „Stilles
Curling“ |
|
Im
Gegensatz zu den Fussgängern wird beim Rollstuhlcurling
nicht gewischt. Zum einen wirkt dadurch der Spielbetrieb
sehr ruhig. Anderseits zwingt dies die Mannschaften auch
zu einer leicht veränderten Taktik.
Der andere Unterschied besteht darin, dass bei der
Steinabgabe nicht geslidet wird. Aus dem Stand heraus
gibt der Spieler seinen Stein ab. Der Rollstuhl befindet
sich dabei kurz vor der Hogline denn auch hier gilt: Übersliden
verboten! Dabei den Besen zu treffen und noch die
richtige Länge zu haben ist um ein Vielfaches
schwieriger, als beim sliding delivery. Dies mussten
auch schon arrivierte Curler, welche den Versuch wagten,
erfahren. Da es mit dieser Abgabe auch sehr schwierig
ist, takeouts zu spielen, verzichten die Mannschaften
weitgehend auf eine defensive Spielweise. Dies führt
jeweils zu äusserst attraktiven Matches mit vielen
Steinen im Spiel. |

|
|
Therese
Kämpfer vom amtierenden Weltmeisterteam Bucher bei der
Steinabgabe
|
Schweizermeisterschaften
in Bern
Am 8./9. Februar 2003 trafen sich in der 8 Rink CBA Curlinghalle
in Bern 5 Teams zur zweiten offiziellen Rollstuhl Curling
Schweizermeisterschaften. In einer Round Robin hatten sämtliche
Mannschaften je einmal während 6 Ends gegeneinander zu spielen.
Das Team Lenzerheide mit Lead Chikha Benallal, Cristina
Vuilleumier, Otto Erb, Werner Meyer (Ersatz) sowie
Verena Bergamin als Skip hatte im ersten Spiel
ausgerechnet mit dem amtierenden Weltmeister Langenthal (Skip
Urs Bucher) zu tun. Die vermeintlich schwächere Equipe aus der
Lenzerheide ging das Spiel motiviert aber vorsichtig an und
buchte, zur Überraschung aller Anwesenden im dritten End ein
Dreierhaus wodurch der Spielstand nach der Hälfte 4:1 für die,
aus Lenzerheide stammende, Bergamin lautete. Infolge eines
Fehlsteines war es im vierten End sogar noch möglich, dem World
Champion ein End zu stehlen. Danach jedoch fand die Bucher
Truppe immer besser ins Spiel und begann aufzuholen. Doch was
niemand erwartet hatte traf ein. Chikha Benallal, Cristina
Vuilleumier, Otto Erb und Verena Bergamin konnten dem erhöhten
Druck standhalten, zeigten eine starke spielerische Leistung und
brachten es fertig, den Vorsprung zu verwalten. Lenzerheide :
Weltmeister 8:5 lautete das Verdikt nach 6 Ends und manch einer
begann sich bereits zu fragen, ob hier wohl ein neuer Stern am
Curlinghimmel aufgegangen sei.
Doch Höhenflüge enden nicht selten unsanft. Im zweiten Spiel
gegen Team Hansruedi Fitze, wie auch in der dritten Runde gegen
Heinz Egger wirkten die „Bergamins“ verunsichert und
unkonstant. Mit 0:9 und 3:9 wurden beide Begegnungen klar
verloren.
Im letzten Spiel gings gegen die Mannschaft Walter Stolarz, dem
letztjährigen Vize Schweizermeister und aktuellen Tabellenführer.
Obwohl das angestrebte Ziel Medaillenplatz kaum mehr erreichbar
war, konnte sich das „Heidner-Team“ nochmals aufbäumen,
zeigte eine solide Leistung und verlor die Partie knapp mit 4:5.
Der Weltmeister, aufgeschreckt durch Lenzerheide, zeigte derweil
keine Blösse mehr und gewann sämtliche Vorrundenspiele klar.
Als Folge davon lag Bucher punktgleich mit Walter Stolarz auf
dem ersten Rang was eine Ausmarchung um den Schweizermeister in
einem zusätzlichen Spiel nötig machte. Dabei liess Bucher
nichts mehr anbrennen, spielte seine Erfahrung aus und gewann
klar mit 7:2.
Das Team um Verena Bergamin belegte in der Endabrechnung den fünften
Platz, kann sich aber als einzige Mannschaft herausnehmen, den
alten und neuen Schweizermeister geschlagen zu haben. Diese
Leistung gilt es umso mehr zu bewundern, das in dieser Mann- und
Frauschaft eigentlich fast nur Anfänger mitgewirkt haben.
Cristina Vuilleumier, Otto Erb und Werner Meyer haben erst in
dieser Saison mit Curling spielen begonnen. Chikha Benallal
hatte gesundheitsbedingt einen dreijährigen Unterbruch und für
Skip Verena Bergamin war es das erste Mal, als Spielführer das
Vorgehen und die Taktik zu diktieren. So gesehen steht dieser
symphatischen Mannschaft sicher eine erfolgreiche Zukunft bevor.
|
 |
|
 |
|
Schweizermeister
2003 CC
Langenthal
v.l.n.r.: Urs Bucher (Skip), Manfred Bolliger (3),
Cesare Cassani (2), Therese Kämpfer (Lead) |
|
Team
Lenzerheide
v.l.n.r.: Verena Bergamin (Skip), Otto Erb (3),
Stefan Rauch (Coach), Cristina Vuilleumier (2),
Chikha Benallal (Lead) |
Schlussrangliste:
Rollstuhl Curling Schweizermeisterschaft 2003 Bern
|
Rang |
Team |
Spiele |
Punkte |
|
1
|
Team
2, CC Langenthal, Bucher
Urs Bucher (Skip), Therese Kämpfer (1), Cesare
Cassani (2), Manfred Bolliger (3)
|
5
|
8
|
|
2
|
Team
1, Urdorf, Stolarz
Walter Stolarz (Skip), Susanne Schwendinger, René
Hegetschwiler, Max Brunner
|
5
|
6
|
|
3
|
Team
3, Egger
Heinz Egger (Skip), Susanne Blöchlinger, Max
Gattiker, Fredi Borner
|
4
|
4
|
|
4
|
Team
4, Fitze
Hansruedi Fitze (Skip), Ruth Tesch, André Widmer,
Silvia Obrist
|
4
|
2
|
|
5
|
Team
5, Lenzerheide, Bergamin
Verena Bergamin (Skip), Werner Meyer, Chikha
Benallal, Cristina Vuilleumier, Otto Erb
|
4
|
2
|
|
|
|